NEWS von Donnerstag, 11.10.2018

Nachruf
Heinrich Berger hat die Traberzucht geprägt


Es hieß Abschiednehmen von einem Mann, der im deutschen Trabrennsport Geschichte geschrieben hat: Heinrich Berger sen. ist am 7. Oktober auf seinem Hof in Großenpinning gestorben. 92 Jahre waren ihm geschenkt, die letzten davon leider nicht mehr bei allzu guter Gesundheit. Bis zuletzt wurde er von seiner Familie gepflegt. Um ihn trauern sein Sohn Heinrich Berger mit Gattin Isoldeebenso seine Enkel, Urenkel und Geschwister. Die Beerdigung fand am Mittwoch auf dem Friedhof in Oberschneiding bei Straubing statt.

Heinrich Berger sen. ist am Sonntag im Alter von 92 Jahren in Großenpinning gestorben. Er hat mit seiner wertvollen Arbeit die Traberzucht in Deutschland geprägt.

Mit Heinrich Berger verliert der deutsche Trabrennsport ein Aushängeschild, das als passionierter Züchter die deutsche Traberzucht geprägt hat. Die Zucht- und Besitzererfolge des Gestüts Großenpinning und der „Berger-Zucht“ wirken bis zum heutigen Tage. Satchmo (243.000 Euro Gewinnsumme), Sari Pride (67.000 Euro) oder Sari Hanover (75.000 Euro) sind noch immer klingende Namen der Traberszene, die wie alle Zuchtgefährten mit dem Anfangsbuchstaben „S“ beginnen. Gewonnen haben sie alle ihre Rennen vom kleinen Großenpinning aus, wo Heinrich Berger sen. auch als Gemeinderat und später als Zweiter Bürgermeister insgesamt 36 Jahre kommunalpolitisch in Verantwortung stand.

Über allen Züchter- und Besitzererfolgen steht der legendäre Simmerl, den Heinrich Berger und sein Bruder Ludwig zum Deutschland gewinnreichstem Traber in der Zeit von 1963 bis 1970 geformt haben. Simmerl war nicht nur der große Stolz der Pinninger Zuchtstätte, er war ein Idol der Traberszene in ganz Deutschland und weit darüber hinaus.

Um Simmerl und seinen Züchter ranken sich viele Legenden. Zum Beispiel die: Nachdem er Simmerl dreijährig nach München verkauft hatte, beschwerte sich der neue Besitzer prompt über einen "lahmen Gaul". Heinrich Berger nahm den Hengst zurück, nur wenige Monate später folgte mit dem Triumph im Berliner Bruno-Cassirer-Rennen der erste einer ganzen Reihe von Zuchtrennsiegen. Zwischen 1963 und 1970, acht Jahre lange, war der "Bayerische Löwe", wie man Simmerl auch nannte, Deutschlands gewinnreichstes und zugleich schnellstes Pferd. Nie zuvor war ein deutscher Traber so schnell (1.15,9 Minuten über 1000 m) und gewinnreich (rund 700 000 Mark) wie Simmerl. Höhepunkt war die Einladung zum International Trot 1968, damals noch auf Roosevelt Raceway in New York ausgetragen. Vor mehr als 40.000 Zuschauern belegte Simmerl mit seinem ständigen Fahrer Rolf Luff in der von Roquepine gewonnenen Weltmeisterschaft den beachtlichen fünften Platz.

Heinrich Berger sen. hat mit seiner jahrzehntelangen erfolgreichen Arbeit die Traberzucht in Deutschland maßgeblich bis zum heutigen Tag geprägt. Ihm wird der Trabrennsport ein ehrendes Gedenken bewahren.
Josef Schachtner